Schutzklassen, Schutzarten, Schutzbereiche – alles, was Sie wissen müssen

Schutzklassen, Schutzarten, Schutzbereiche

Alle wichtigen Infos zum Thema Schutz bei der Elektroinstallation

 

Guter Schutz, sicherer Einbau und dauerhafte Betriebssicherheit sind das A und O bei der Elektroinstallation. Die IP-Schutzarten, Schutzklassen für Elektrotechnik und Schutzbereiche für das Badezimmer sind für alle Installationen deutschlandweit standardisiert. Doch was bedeuten IP 44, Schutzklasse II oder Schutzbereich 0? Diese und alle anderen wichtigen Fragen rund um das Thema Schutz in der Elektrotechnik beantworten wir Ihnen in diesem Artikel.

Im Haus und um das Haus sicher – Schutzklassen für Leuchten und Elektrogeräte

Die Schutzklasse bezeichnet die Sicherungsmaßnahmen, die in einem elektrischen Gerät oder Bauteil verbaut sind, um sie und ihre Nutzer gegen Stromunfälle wie elektrische Schläge zu schützen. Es gibt insgesamt vier Schutzklassen, die in der DIN VDE 0140-1 festgelegt wurden. Diese Unterteilung ist wichtig, um einen allgemeinen Sicherheitsstandard zu definieren. Außerdem können Sie so mit nur einem Blick und ohne langwierige Untersuchung sehen, wie ein Gerät abgesichert ist.

Schutzklasse 0 – nicht zugelassen

Die Schutzklasse 0 bezeichnet Geräte und elektrische Bauteile, die neben ihrer eigenen Isolierung keinerlei Schutz gegen Stromunfälle aufweisen und nicht an Schutzleiter (siehe unten) angeschlossen werden können. Geräte mit dieser Schutzklasse sind auf Grund ihrer Unsicherheit nicht zur Verwendung in Deutschland, der EU und zahlreichen weiteren Staaten zugelassen. Also immer auf die Schutzklasse achten, wenn ein Gerät verdächtig billig ist – die schwarze Null ist nur für die Buchhaltung gut.

Schutzklasse I – Schutz durch Erdung

Bei Geräten mit der Schutzklasse I sind alle leitfähigen Elemente des Gehäuses mit einem Schutzleiter verbunden. Dieser stellt die Erdung des Geräts sicher, sodass der Strom bei einem Stromunfall oder einer Spannungsspitze sicher abgeleitet wird und verhindert potentiell gefährliche Spannungen beim Berühren des Gerätes. Die Erdung erfolgt über einen Stecker oder ein Kabel. Die Schutzklasse I wird mit dem Zeichen für Erdung markiert.

Schutzklasse II – Doppelte Isolierung hält besser

Geräte und Installationen mit der Schutzklasse II sind aus technischen Gründen meist nicht mit dem Schutzleiter verbunden. Um trotzdem Betriebs- und Einbausicherheit zu gewährleisten, sind sie mit einer verstärkten oder doppelten Isolierung versehen. Das Symbol der Schutzklasse II zeigt zwei ineinander geschachtelte Quadrate.

Hinweis: Wenn das Anschlusskabel des Geräts mit einem Schutzleiter versehen ist, darf dieser nicht an das Gehäuse angeschlossen sein. Vorsicht ist geboten, weil auch das Gehäuse Strom leiten kann.

Schutzklasse III – Schutz für Batterien und Akkus im Alltag

Die Schutzklasse III bezeichnet elektrische Elemente, die mit einer eigenen Sicherheitskleinspannung arbeiten. Das bedeutet, dass sie einen Berührstrom aufweisen, der für erwachsene Menschen jedoch harmlos ist. Für Kinder gilt natürlich der alte Merksatz: Messer, Gabel, Schere, Licht… Sind für kleine Kinder nicht. Dasselbe gilt umso mehr für Strom. Diese Geräte dürfen auf Grund dieser Besonderheit nur an Stromquellen angeschlossen werden, die für Sicherheitskleinspannung oder Schutzkleinspannung (SELV/PELV) zugelassen sind.

Es sind meistens Batterien, Akkus oder Sicherheitstransformatoren. Viele Geräte der Schutzklasse III verfügen über eine zusätzliche verstärkte oder doppelte Isolierung zwischen den Teilen mit kleiner Spannung und dem Netzanschluss. Das Symbol der Schutzklasse III zeigt eine römische Ziffer 3 in einer Raute.

Zwei Zahlen, die alles sagen – IP-Schutzarten

Die moderne Technik kann viel leisten, aber Wind, Wetter und Wasser vertragen sich trotzdem nicht mit Elektrogeräten. Während die Schutzklasse den Schutz für Benutzer eines Bauteils bezeichnet, gibt die IP-Schutzart in erster Linie Auskunft darüber, wie das elektrische Gerät selbst gegen verschiedene Umwelteinflüsse geschützt ist.

Viele Geräte und Bauteile gerade im Außenbereich und in der Industrie sind schwierigen Umweltbedingungen ausgesetzt und müssen dabei über lange Zeit (Jahre oder sogar Jahrzehnte) sicher arbeiten können. Es muss aber kein Industriebetrieb sein, viele dieser Probleme finden sich auch im heimischen Garten oder im Hobbykeller.

Unter diese schädlichen Umwelteinflüsse fallen unter anderem:

  • Feuchte, Sprüh- und Spritzwasser
  • Dämpfe
  • Korrosive Stoffe wie Säuren oder Laugen
  • Verschmutzung (zum Beispiel durch Öl in der Werkstatt)
  • Staub und Feinstaub

Darüber hinaus haben alle elektronischen und elektrischen Geräte eine minimale und maximale zulässige Betriebstemperatur. Das ist vor allem auf der Terrasse oder im Garten wichtig – zu viel Sonne oder eine kalte Winternacht sind für Elektrogeräte genauso ungemütlich wie für uns.

Schutz elektrischer Geräte

Weltweit gültig, für Ihr Zuhause sicher

Das Kürzel IP steht bei diesen Schutzarten für „International Protection“, da die Schutzstandards für Geräte international genormt sind – gut zu wissen, wenn Sie Geräte von einem ausländischen Hersteller kaufen. Natürlich gibt es in bester deutscher Tradition auch eine hiesige Version dieser Norm, nämlich die DIN VDE 0470-1.

Die IP-Kennzahl setzt sich zumeist aus zwei Kennziffern zusammen. Die erste Ziffer bezeichnet den Schutz gegen Fremdkörper und Berührung und reicht von 0 bis 6:

0 – kein Schutz gegen Fremdkörper oder Berührung
1 – Schutz gegen Fremdkörper mit mehr als 50 mm Durchmesser, Schutz vor Zugang mit dem Handrücken
2 – Schutz gegen Fremdkörper mit mehr als 12,5 mm Durchmesser, Schutz vor Zugang mit einem Finger
3 – Schutz gegen Fremdkörper mit mehr als 2,5 mm Durchmesser wie Spitzzangen oder Messerspitzen, Schutz vor Zugang mit einem Werkzeug
4 – Schutz gegen Fremdkörper mit mehr als 1 mm Durchmesser wie Nägel oder große Nadeln, Schutz vor Zugang mit einem Draht
5 – Schutz gegen Staub in relevanter Menge und vollständiger Berührungsschutz, empfohlen für industrielle und Werkstattarbeiten
6 – Voller Schutz gegen jeglichen Staub und jegliche Berührung

Die zweite Kennziffer steht für den Schutz vor Wassereinwirkung. Sie reicht von 0 bis 9:

0 – kein Schutz
1 – Schutz gegen Tropfwasser
2 – Schutz gegen fallendes Tropfwasser bei Neigung
3 – Schutz gegen fallendes Sprühwasser bei Neigung
4 – Schutz gegen Spritzwasser
5 – Schutz gegen Strahlwasser aus einer Düse etwa in Autowaschanlagen
6 – Schutz gegen starkes Strahlwasser
7 – Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen, jedoch nicht in größeren Tiefen
8 – Schutz gegen dauerhaftes Untertauchen etwa in Pool- oder Teichanlagen
9 – Schutz gegen Wasser aus Dampf- oder Hochdruckreinigern, speziell für landwirtschaftliche Betriebe geeignet

Nachfolgend finden Sie einige Beispiele der am weitesten verbreiteten Schutzarten.

IP 44: sicher für Terrasse und Balkon

Philips LED-Wandleuchte

Ein Gerät, eine Maschine oder ein Bauteil mit der Schutzart IP 44 ist gegen Eindringen fester Körper bis zu 1 mm Durchmesser und gegen den Zugang mit einem Draht geschützt (erste Kennziffer, Schutzart 4).

Außerdem ist das Gerät von allen Seiten gegen einfallendes Spritzwasser mit normalem Druck dicht (zweite Kennziffer, Schutzart 4). Ein Beispiel für Geräte mit dieser Schutzart sind Wandleuchten für Außeninstallationen (siehe unten), die begrenzt regensicher sein müssen.

IP 54: staubsicher für Werkstatt und Garten

Ein elektrisches Betriebsteil mit der Schutzart IP 54 ist dicht gegen größere Mengen Staub und sicher vor Berührungen (siehe oben). Außerdem ist es ebenfalls vor Spritzwasser geschützt. Dies ist insbesondere bei empfindlichen elektronischen Anlagen verbreitet, bei denen Staubeinfall Kurzschlüsse verursachen kann.

IP 66: erste Klasse für das Bad

Die Schutzart IP 66 empfiehlt sich für private Nutzer besonders bei Installationen im Badezimmer, da die Strom führenden Teile voll gegen Berührung, Staub, und starkes Strahlwasser etwa aus der Dusche geschützt sind. So ist die Betriebssicherheit auch gewährleistet, wenn Sie einmal mit der Brause ausrutschen. Auch Schaltschränke im industriellen Bereich sollten diese Schutzart aufweisen.

Unter freiem Himmel: IP-Schutzklassen für den Außenbereich

Vom Leuchtmittel bis zum Transformator sind elektrische und elektronische Geräte im Außenbereich besonderen Belastungen unterworfen. Regen, Temperaturschwankungen und vom Wind getriebener Staub sind alltägliche Risiken, die diese Geräte problemlos abwehren können sollten.

Staub- und zugangssicher im Außenbereich

Grundsätzlich empfiehlt sich für den Betrieb im Außenbereich mindestens die IP-Schutzart 44. So vermeiden Sie auch bei einer Installation in Bodennähe, dass größere Staubpartikel oder Insekten in das Gerät eindringen. Empfindliche oder stark Strom führende Bauteile sollten aber die erste Kennziffer 5 oder 6 aufweisen. Bereits kleine Mengen feuchten Staubs können starke Betriebsstörungen verursachen. Darüber hinaus gewährleistet diese Schutzart, dass Kinder oder Haustiere nicht zufällig an Strom führende Leitungen kommen.

Von der Einfahrt in den Teich: Wasserschutz für den Außenbereich

Leuchten und elektrische Geräte, die außerhalb des Hauses unter einem Vordach angebracht sind, sollten mindestens der Schutzart IP X4 entsprechen. Eine überdachte Veranda oder ein Carport bieten einen gewissen Schutz, aber wer schon einmal bei Wind im Regen stand, weiß, dass Wasser manchmal aus den unmöglichsten Winkeln kommen kann.

Geräte und Bauteile, die völlig im Freien stehen, sollten sicherheitshalber entweder zusätzlich geschützt werden oder eine etwas höhere zweite Kennziffer der Schutzklasse aufweisen. Dies entspräche etwa der Schutzklasse X5. Ein kleines Dach oder ein sonstiger Regenschutz bietet aber ebenfalls guten Schutz.

Werkstätten mit Außenanlagen sollten Geräte der IP-Schutzart X5 oder höher verwenden, falls Sprüh- und Spritzwasser anfallen kann. Darunter fallen beispielsweise Geräte, die für die Autoreinigung verwendet werden. Das Wasser gehört auf das Auto, nicht in den Kompressor.

Wibre Unterwasser-Scheinwerfer

Geräte für den Einbau in Nassanlagen wie Pools oder Gartenteichen müssen die Schutzart 48 oder 58 aufweisen, da sie untergetaucht arbeiten. Das beinhaltet beispielsweise Pumpen oder im Pool verbaute Leuchtmittel. Bei tieferen Anlagen sollten Sie unbedingt beachten, dass die IP-Kennziffer keine Informationen zur Drucksicherheit bietet.

Prüfen Sie daher vor dem Kauf, wie tief ihre Wasseranlage ist und ob das Betriebsmittel für den Wasserdruck dieser Tiefe geeignet ist. Wenn Sie in Ihrem Pool tauchen können, muss das Gerät das auch verkraften.

 

Strom und Wasser vertragen sich nicht: elektrische Schutzbereiche im Bad

Für elektrische Geräte und Anlagen innerhalb der Nasszelle gelten besondere Auflagen. Wenn ein Raum eine Dusche oder eine Badewanne enthält, muss die DIN VDE 100-701 beachtet werden, da Dampf, Spritzwasser und eine allgemein höhere Luftfeuchtigkeit besondere Risiken im Betrieb bedeuten. Daher sollten Geräte, die hier verwendet werden, je nach Schutzbereich die IP-Klassifizierung 3 oder höher aufweisen. Leider hilft die Schutzklasse nicht, wenn das Handy oder Tablet einmal baden geht.

Schutzbereich 0 – in der Wanne

Der Schutzbereich 0 bezeichnet den direkten Innenbereich der Dusche oder Badewanne. Hier sind Installationen wie Steckdosen logischerweise verboten, da sie per Definition nicht wasserdicht sein können. Leuchten müssen mindestens den IP-Schutzgrad 7 oder 8 aufweisen, da sie zeitweise oder ganz untergetaucht arbeiten. Eine lauschige Wannenbeleuchtung kann sehr ungemütlich werden, wenn sie das Schaumbad mit Stromschlägen anreichert. Zudem müssen alle Geräte eine Schutzkleinspannung von kleiner als 12 Volt aufweisen. Wenn die Dusche ebenerdig verbaut ist, gilt dies nicht als Schutzbereich 0, sondern in einem Radius von 120 cm als Schutzbereich 1.

Schutzbereich 1 – über der Wanne

Der Schutzbereich 1 für das Bad beinhaltet Flächen und Räume oberhalb der Wanne bzw. Dusche bis zu einer Höhe von 225 cm über dem Fußboden. Um Stromunfälle durch Strahlwasser aus der Brause sicher zu vermeiden, müssen alle Elektroinstallationen hier mindestens den Anforderungen des IP-Schutzgrades 5 genügen. Es dürfen keine Steckdosen oder Schalter installiert werden, weil hier durch Ritzen und Öffnungen Wasser an die Leitungen kommen kann.

Schutzbereich 2 – So leben Waschmaschinen WIRKLICH länger

Der Schutzbereich 2 bemisst sich ebenfalls bis zu einer Höhe von 225 cm oder bis zur Höhe des am höchsten angebrachten Wasserauslasses. Die seitliche Ausdehnung dieses Schutzbereiches ist etwas größer als die des Schutzbereiches 1. Hier sind ebenfalls keine Steckdosen erlaubt. Fest installierte Leuchten oder die Waschmaschine können in diesem Bereich verwendet werden, sofern der Stromanschluss der Waschmaschine außerdem der Schutzbereiche 0-2 liegt.

Beim Hausbau oder einer Renovierung dürfen hier auch Leitungen für Leuchten verlegt werden. Schalter sind im Schutzbereich 2 nur erlaubt, wenn sie in die Leuchten eingebaut sind und die IP-Schutzklasse nicht verringern. Berührungssensoren sind immer sicherer als Schalter und haben außerdem noch einen schicken, futuristischen Touch.

Schutzbereich 3 – der Rest

Der Schutzbereich 3 umfasst je nach Größe des Badezimmers den gesamten restlichen Raum oder einen definierten Bereich. Steckdosen und Schalter dürfen unter bestimmten Bedingungen in diesem Bereich verbaut werden. Zudem müssen sie mit einer Schutzeinrichtung des Typs F1 versehen sein, um die Betriebssicherheit zu gewährleisten. Verlängerungskabel und Verbindungsdosen dürfen hier problemlos verwendet werden, aber achten Sie immer auf Schnitt Ihres Bades.

Ein Sonderfall sind abgetrennte Geräte wie beispielsweise Leuchten im Badezimmerschrank. Diese dürfen prinzipiell auch eine geringere IP-Klassifizierung aufweisen, weil sie vom Schrank selbst geschützt werden.

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