Feuchträume und FR-Produkte

Feuchtraum, Nassraum: Definitionen, Produkte und IP-Schutzarten

Feuchtraum, Nassraum: Wissenswertes und welche Produkte und IP-Schutzarten die richtigen sind

 

Mit Strom und Wasser verhält es sich wie mit Katze und Maus. Sie vertragen sich nicht. Und da wir heute in nahezu allen Bereichen und Räumlichkeiten in den Genuss elektrischer Produkte kommen möchten, stellt sich auch immer die Frage, wie sehr diese dabei der Feuchtigkeit ausgesetzt werden oder sogar mit Wasser in Kontakt kommen und ob sie dafür überhaupt geeignet sind. In diesem Zusammenhang ist auch häufig von Feuchträumen und Feuchtraumprogrammen die Rede. Doch was genau ist ein Feuchtraum? Sind Bäder, Keller oder Garagen Feuchträume? Welche IP-Schutzart und welche Produkte sind die richtigen? Tauchen Sie ein in die Welt des Spritz- und Strahlwassers.

 

 

Feuchtraum: Was ist was?

Bei Feuchtraum und Nassraum denkt man schnell an die Dusche oder das Badezimmer zu Hause. Doch genau die sind in der Regel keine Feucht- oder Nassräume.

Was also sind Feucht- und Nassräume, wenn Duschen und Bäder keine sind? Und ist ein Nassraum auch automatisch ein Feuchtraum oder umgekehrt?

Was ist ein Feuchtraum?

Der Begriff des Feuchtraums ist nicht klar definiert, da es unterschiedliche Normen gibt, die dieses Thema unterschiedlich angehen. Allgemein wird mehr von Räumen mit permanent erhöhter Luftfeuchte gesprochen, der Feuchtraum selbst wird eigentlich gar nicht erfasst.

Grundsätzlich treffen auf einen Feuchtraum jedoch folgende Bedingungen zu:

  • In einem Feuchtraum beträgt die relative Luftfeuchtigkeit permanent über 70 %.
  • Die hohe Luftfeuchtigkeit lässt sich im Feuchtraum nicht durch ein Fenster oder eine sonstige freie Lüftung abführen.

Typische Beispiele für Feuchträume sind Saunen, Wellness-Bereiche, Dampfbäder, Schwimmhallen, Großküchen, Pumpenräume und Waschküchen.

Warum sind häusliche Bäder und Küchen keine Feuchträume?

Küchen, Bäder, Duschen und Toiletten in häuslichen Bereichen werden als trockene Räume bezeichnet, denn werden sie normal genutzt, beheizt und gelüftet, ist die relative Luftfeuchtigkeit darin im Durchschnitt nicht wesentlich höher als in anderen Wohnräumen.

 

Was ist ein Nassraum?

Diese FR-Leuchte fühlt sich sowohl bei gemäßigtem als auch bei tropischem Klima wohl
Diese FR-Leuchte fühlt sich sowohl bei gemäßigtem als auch bei tropischem Klima wohl

Ein Nassraum ist laut DIN 18195 Teil 1 Punkt 3.33 ein Innenraum, in dem bei der Nutzung eine derartige Wassermenge anfällt, dass diese mithilfe einer Fußbodenentwässerung abgeleitet werden muss. Bäder zu Hause und in Hotels, die keine Bodenabläufe haben, zählen der Norm nach nicht zu den Nassräumen. Auch Küchen nicht.

Nassräume sind beispielsweise in der Industrie keine Seltenheit. Hier müssen gewisse Räume häufig aus hygienischen oder betrieblichen Gründen in regelmäßigen Abständen mit Wasser gereinigt und abgespritzt werden.

Ist ein Nassraum auch immer ein Feuchtraum?

Ein Nassraum ist nicht immer ein Feuchtraum und auch umgekehrt nicht. Allerdings gibt es Sonderfälle, in denen Nassräume zugleich Feuchträume sind.

Ein klares Beispiel sind Schwimmhallen. Die erfüllen aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit sowohl die Kriterien eines Feuchtraums als auch die eines Nassraums, da für die großen Mengen an Wasser Bodenabläufe erforderlich sind.

Hinweis: Auch wenn Duschen eigentlich trockene Räume sind, gibt es Ausnahmen: Im Privatbereich werden inzwischen zunehmend begehbare Duschen mit Bodenabläufen gebaut und bei denen handelt es sich per Definition tatsächlich um Nassräume.

 

Ist ein Keller ein Feuchtraum?

Ob ein Keller ein Feuchtraum ist oder nicht, lässt sich nicht allgemein beantworten. In VDE 0100-737 werden Keller abhängig davon zugeordnet, ob sie beheizt und belüftbar sind.

Belüftbare und beheizte Keller sind ähnlich der Logik bei Badezimmern und Küchen trockene Räume. In der Regel ist die Luft hier nicht mit Feuchtigkeit gesättigt und es tritt kein Kondenswasser auf.

Unbelüftbare und unbeheizte Keller hingegen sind Feuchträume.

Im Sonderfall – wie beispielsweise bei Bier- und Weinkellern – kann es außerdem erforderlich sein, dass die Räume gelegentlich zu Reinigungszwecken abgespritzt werden. Dann handelt es sich dabei sogar um Nassräume.

Manchmal ist es gar nicht so schwer, einen Nassraum zu erkennen...
Manchmal ist es gar nicht so schwer, einen Nassraum zu erkennen…

 

Ist eine Garage ein Feuchtraum?

Garagen lassen sich wie Keller auch nicht allgemein als trockene Räume oder feuchte Räume bezeichnen. Auch fallen die Definitionen in den VDE-Normen unterschiedlich aus.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass private Garagen häufig trockene Räume sind, je nach Bedingungen wie durchschnittliche Luftfeuchte und Belüftung aber als Feuchträume eingestuft werden können. Allerdings ist auch in Garagen mit einem Feuchtraumprogramm von einer Wasserschlacht abzusehen.

Tipp: Sind Sie sich unsicher, ob ein Feuchtraumprogramm erforderlich ist, achten Sie darauf, ob die installierten Steckdosen und Schalter direkter Feuchtigkeit bzw. Strahlwasser ausgesetzt sind. Können Sie den Kontakt mit Wasser oder eine dauerhaft hohe Luftfeuchte nicht ausschließen, entscheiden Sie sich sicherheitshalber für FR-Produkte.

 

Welche IP-Schutzart im Badezimmer?

Wie viel Wasser eine FR-Leuchte verträgt, verrät die IP-Schutzart
Wie viel Wasser eine FR-Leuchte verträgt, verrät die IP-Schutzart

Auch wenn Bäder – abgesehen von begehbaren Duschen – bautechnisch gesehen als trockene Räume gelten, gibt es dennoch ähnliche Gefahren wie in Feucht- und Nassräumen. Bekommen Lampen beispielsweise Spritzwasser ab, könnte das im schlimmsten Fall zu einem Kurzschluss oder langfristig zu Korrosion führen.

Natürlich gibt es Leuchten und andere elektrische Verbraucher, die je nach Modell ein bisschen oder sogar einiges an Wasser abkönnen. Wie gut eine elektrische Komponente geschützt ist, verrät die IP-Schutzart.

IP44 im Badezimmer

Elektrische Verbraucher der IP44 vertragen zwar kein Strahlwasser, sind aber vor Spritzwasser geschützt. Es wird davon ausgegangen, dass in bis zu 60 cm Entfernung von der Duschkabine oder Badewanne Wasser spritzen kann und deshalb müssen alle in diesem Bereich eingesetzten Geräte mindestens die Schutzart IP44 haben.

Generell eignet sich diese Schutzart überall da, wo Spritzwasser nicht ausgeschlossen werden kann. Beispielsweise auch um das Waschbecken herum ist es empfehlenswert, diese Schutzart zu verwenden.

IP65 im Badezimmer

Besonders nass kann es an den Wandflächen direkt um Dusche und Wanne werden. Bis zu einer Höhe von 2,25 m ist an diesen Stellen die Schutzart IP65 vorgeschrieben. Die Höhe ist deshalb von Bedeutung, weil man bei allen Bereichen über 2,25 m davon ausgeht, dass auch das Strahlwasser des Duschkopfs nicht hoch genug spritzt.

IP67 und IP68 im Badezimmer

Produkte mit IP67 und IP68 sind die Wassernixen unter den elektrischen Verbrauchern. Sie sind nicht nur vollständig vor Berühren unter Spannung geschützt und dicht gegen Staub, sondern verfügen auch über einen Schutz gegen die Folgen von Eintauchen bzw. können sich längere Zeit im Wasser befinden.

Sollen Leuchten in der Badewanne oder Dusche eingebaut werden, zum Beispiel eine Bodenbeleuchtung in der Dusche, ist diese Schutzart die richtige.

Hinweis: Nicht nur die richtige IP-Schutzart trägt zum Schutz in den eigenen vier Wänden bei, auch ein getrennt für die Beleuchtung und Steckdosen des Badezimmers errichteter FI-Schalter ist empfehlenswert.

 

Was für Lampen im Bad und in tatsächlichen Feuchträumen?

Mit Wannen haben Wannenleuchten nur auf den ersten Blick etwas zu tun

Lampen für Bäder und tatsächliche Feuchträume gibt es in den unterschiedlichen Ausführungen. Während viele Leuchten für Feuchträume geeignet sind, sind sie jeweils verschieden stark gegen Wasser geschützt. Welche Lampe im Bad und im Feuchtraum also die richtige ist, entscheidet letztendlich die IP-Schutzart.

Folgende Punkte können dabei helfen, die richtige Lampe zu finden:

  • Die Leuchte soll für längere Zeit mit Wasser in Kontakt oder sogar unter Wasser sein (z. B. Bodenbeleuchtung): IP67 und IP68
  • Die Leuchte wird sicher das eine oder andere Mal stark angespritzt: IP65 oder höher
  • Die Leuchte könnte hin und wieder etwas Spritzwasser abbekommen: IP44 oder höher
  • Im Zweifelsfall gilt grundsätzlich, lieber eine zu hohe Schutzart als eine zu niedrige zu wählen.

Hinweis: Zu den häufig angebotenen FR-Leuchten gehören die sogenannten Wannenleuchten. Diese haben allerdings nichts mit Badewannen zu tun. Sie heißen schlichtweg so, weil ihr Äußeres an die Form einer Wanne erinnert.

 

Fazit: Bei Feuchtigkeit auf Nummer sicher gehen

Feuchtraum oder Trockenraum? In vielen Fällen ist das auf den ersten Blick nicht eindeutig.  Manchmal bringen selbst die Normen nicht absolute Klarheit: Während Dampfbäder und Großküchen eindeutig Feuchträume sind, kommt es beispielsweise bei Kellern auf die Bedingungen vor Ort an.

Ruft man sich jedoch den Sinn und Zweck all der Normen und Definitionen ins Bewusstsein, kann das die Entscheidungsfindung selbst bei unklarer Sachlage erleichtern. Grundsätzlich geht es nämlich um die Sicherheit im Einsatz der elektrischen Verbraucher – und natürlich auch anderer Baumaterialien.

Können eine dauerhaft hohe Luftfeuchtigkeit und der Kontakt mit Strahl- bzw. Spritzwasser nicht ausgeschlossen werden, sollte sicherheitshalber ein Feuchtraumprogramm mit der entsprechenden Schutzart gewählt werden. Allgemein gilt, je höher die Schutzart, desto besser sind die Geräte geschützt.

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