Elektroleitungen und Bohren

Stromleitungen und Bohren in der Wand

Richtig bohren – So einfach kommen Sie der Stromleitung auf die Spur

 

Soll ein Regal oder das neuste Familienbild aufgehängt werden, kommt die Bohrmaschine zum Einsatz. Bevor jedoch losgebohrt wird, muss die Wand gezielt auf die dahinter installierten Stromleitungen untersucht werden. Wer einfach bohrt, riskiert ein beschädigtes Kabel, eine teure Handwerkerrechnung und einen lebensgefährlichen Stromschlag. Entdecken Sie, wie Sie ein solches Risiko vermeiden und Ihre Stromleitungen in der Wand gekonnt aufspüren.

 

 

Wieso sollten Stromleitungen gefunden werden?

Noch schnell ein Loch in die Wand bohren: Hört sich verlockend an, ist jedoch nicht empfehlenswert. Warum? Die in der Wand verlaufenden Stromleitungen sind von außen nicht sichtbar und können schnell ungewollt vom Bohrer erwischt werden.

Wird eine Stromleitung angebohrt, ist das erstmal ärgerlich, denn Sie sitzen höchstwahrscheinlich im Dunkeln. Außerdem ist die Beschädigung des Stromkabels nicht nur mit Folgekosten für die Reparatur verbunden, sondern stellt unter Umständen auch eine Verletzungsgefahr für den eifrigen Bohrer dar.

Auch wenn nur schnell ein Loch für einen Bilderrahmen gebohrt wird, sollten Sie sich daher zuvor versichern, dass an der dafür vorgesehenen Stelle in der Wand keine Leitungen verlaufen. Nur so lassen sich Unfälle, Verletzungen und Sachschäden vermeiden.

Tipp: Beim Bohren sollten Sie nicht nur auf Stromleitungen, sondern auch auf Wasserleitungen achten, um Wasserschäden vermeiden zu können.

 

Gibt es einen Installationsplan vom Leitungsverlauf?

Bevor es ans Bohren gehen kann, müssen also zuerst die Leitungen ausfindig gemacht werden. Da stellt sich natürlich die Frage, ob deren Verlauf in einem Plan verzeichnet ist. Wenn der für die Elektroinstallation zuständige Handwerker nicht gerade Kabelfiguren gezeichnet hat und fachgerecht bei der Installation vorgegangen ist, hat er dafür auch einen Plan erstellt.

Ein Installationsplan vom Leitungsverlauf ist grundsätzlich die einfachste Lösung, die Leitungen zu orten. Allerdings sind diese Pläne selbst bei relativ neuen Gebäuden oft nicht verfügbar, weil der betreffende Elektrofachmann nicht bekannt oder gerade nicht greifbar ist. Die wenigsten Elektriker freuen sich schließlich über eine spontane Einladung zum sonntäglichen Bohren.

Hinweis: Achten Sie beim Bohren nach Installationsplan darauf, dass auf diesem Plan auch die nachträglichen Änderungen in der Elektroinstallation ersichtlich sind. 

 

Verläuft hinter Ihrer Wand alles planmäßig?

Wie verlaufen in der Regel Stromleitungen?

Vor allem bei modernen Gebäuden kann davon ausgegangen werden, dass die Stromleitungen beim Bau nach einem festen Prinzip verlegt wurden. Bei einer fachgerechten Installation werden die Installationszonen beachtet und die Stromleitungen verlaufen nur senkrecht und waagerecht zu Boden und Decke.

Wie nah an der Steckdose bohren?

Zuerst gilt es, die Steckdose oder den Lichtschalter in der Nähe des zu bohrenden Bereichs ausfindig zu machen. Von dieser Stelle aus verläuft das Kabel senkrecht nach oben oder nach unten. Der Regel zufolge wird die senkrechte Stromleitung etwa 30 cm unterhalb der Decke oder 30 cm oberhalb des Bodens in eine Waagerechte überführt.

Demnach kann der Bereich ab 30 cm Abstand von der Decke bis zu den 30 cm Abstand vom Boden genutzt werden. In Badezimmern werden die Leitungen normalerweise nicht in Bodennähe, sondern unterhalb der Decke verlegt.

Hinweis: Beim Bohren kann nur nach dieser Logik vorgegangen werden, wenn Gewissheit besteht, dass die Elektroinstallation vorschriftsgemäß realisiert wurde. Vor allem bei älteren Gebäuden kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Kabel derart geordnet verlegt wurden. Im Zweifelsfall ist es sicherer, die Kabel in der Wand aufzuspüren.

 

Wie erkenne ich Stromleitungen in der Wand?

Ist kein Installationsplan vorhanden oder Sie sind sich nicht sicher, ob der Plan aktuell ist, gibt es auch andere Möglichkeiten, die Stromleitung in der Wand aufzuspüren. Vor allem in Altbauten können solche Geräte die sicherste Lösung sein, da es häufig keinen direkten Plan gibt und die Kabel in der Wand eventuell nicht geordnet verlegt wurden. Dabei kommen vor allem zwei Arten von Ortungsgeräten zum Einsatz: Leitungssucher und Metalldetektoren.

Wie zuverlässig funktionieren Leitungssucher?

Finden Sie Leitungen in der Wand – ganz ohne Bohrer

Leitungssuchgeräte decken elektrische Spannungen auf. Um eine Stromleitung aufzuspüren, fahren Sie daher mit dem Gerät über die Wand, bis der Leistungssucher ausschlägt. Da bei dieser Vorgehensweise nicht die Leitung selbst, sondern die eine Leitung umgebende Spannung detektiert wird, wird vielmehr der ungefähre Bereich und nicht der exakte Kabelverlauf angezeigt. Nehmen Sie es daher nicht zu genau und planen Sie beim Bohren ausreichend Abstand zu der ermittelten Fläche ein.

Tipp: Da Leitungssuchgeräte eine elektrische Spannung aufspüren, funktionieren sie nur, wenn an der Leitung tatsächlich auch eine Spannung anliegt. Achten Sie daher darauf, dass die Sicherung eingeschaltet ist. Besonders einfach lässt sich die Leitung finden, wenn tatsächlich Strom fließt. Schalten Sie daher am besten das Licht oder Ihre Karaoke-Anlage an.

Welche Leitungen können mit Metalldetektoren aufgespürt werden?

Mithilfe von speziellen Metalldetektoren für Hauswände werden keine Spannungen, sondern Metallvorkommen detektiert. Sie eigenen sich damit für die Suche von Strom-, Gas- und Wasserleitungen. Die Geräte sind empfindlich genug, um auch Metallleitungen aufzuspüren, die in einem Leerrohr aus Kunststoff verlegt sind.

Hinweis: In modernen Gebäuden sind häufig Wasserrohre aus reinem Kunststoff verbaut. Diese werden von Metalldetektoren nicht aufgespürt.

Kann man Stromleitungen mit der App finden?

Die Stromleitung mit der App zu finden, klingt nach einer tollen Idee. Denn moderne Tablets und Smartphones verfügen meist über Magnetfeldsensoren, mit denen sich theoretisch auch Stromleitungen aufspüren lassen. Allerdings sind die Sensoren nicht immer stark genug, um die Kabel in der Wand sicher aufzuspüren. Zudem kann das Ergebnis durch elektromagnetische Wellen von Geräten wie Fernsehern oder PCs verfälscht werden und ist eher unzuverlässig. Weder die Leitungssuche noch das Bohren per App sind demnach vielversprechende Lösungen.

Volltreffer! Und was jetzt?!

Wie reagiere ich richtig im Schadensfall?

Im Idealfall sollten Sie sich diese Frage nicht stellen müssen, doch manchmal läuft es eben nicht ideal. Was also, wenn Sie doch eine Stromleitung angebohrt haben? Dann ist Vorsicht angesagt und das Kabel muss repariert werden.

In den meisten Fällen kommt es direkt zum Stromausfall und der FI-Schutzschalter, Leitungsschutzschalter oder die Sicherung ist rausgeflogen. Schalten Sie den Schalter oder die Sicherung in keinem Fall wieder ein. Sollte der Schalter oder die Sicherung nicht rausgeflogen sein, schalten Sie sie unbedingt aus. Sichern Sie die Schalter in jedem Fall gegen ein Wiedereinschalten.

Fällt der Strom nicht aus, befindet sich das defekte Stromkabel entweder aktuell im stromlosen Zustand oder wurde nur angekratzt. Das Kabel kann auch dann unter keinen Umständen normal weiter benutzt werden. Ist die Isolierung des Kabels defekt, entwickelt sich nämlich eine schleichende Gefahr: Bei weiterem Betrieb kommt es zur Überhitzung des Kabels, es entsteht ein Funkenflug und der Kabelbrand ist vorprogrammiert.

Hinweis: Die Reparatur eines defekten Stromkabels ist für Laien nicht sicher und kann gefährlich sein. Setzen Sie sich mit einer Elektrofachkraft in Verbindung und lassen Sie den Schaden von einem Fachmann reparieren.

 

Fazit: Zuerst denken, dann bohren

Manchmal hilft es, einfach drauf loszulegen und zu schauen, was kommt. Beim Bohren in der Wand definitiv nicht. Das wird spätestens klar, wenn es beim Bohren kurz aufblitzt und Sie im Dunkeln sitzen. Bedenken Sie die Bohrstelle daher eingehend, bevor Sie sich ans Bohren machen.

Der Leitungsverlauf lässt sich im Idealfall vom Installationsplan ablesen oder kann mit etwas Logik über die üblichen Abstände zu Wand und Decke erschlossen werden. Ist kein Plan vorhanden und auf die Installationszonen nicht wirklich Verlass, suchen Sie die Stromleitung vorzugsweise mit Leitungssuchgeräten und nicht mit der Bohrmaschine.

Haben Sie sich für die optimistische Herangehensweise entschieden und aus Versehen doch eine Stromleitung angebohrt, muss diese ausgiebig geprüft werden. Selbst wenn auf den ersten Blick keine Schäden erkennbar sind, sollten Sie diesen Teil definitiv dem Profi-Elektriker überlassen.

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